Mobbing-Opfer erhält Geld – Süddeutsche

Karlsruhe – Wer durch Mobbing am Arbeitsplatz krank wird, kann Anspruch auf Krankentagegeld haben. Entscheidend ist dabei, dass die Mobbingsituation zu einer psychischen oder physischen Erkrankung und damit zur Arbeitsunfähigkeit führt, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil vom 9. März (AZ: IV ZR 137/10). Damit bekam der Kläger, der als Projektleiter für Brandschutzanlagen gearbeitet hatte, vor dem BGH recht. Wegen Mobbing am Arbeitsplatz war der Mann an Depressionen erkrankt und litt an Rückenbeschwerden. Er wurde von seinem Arzt als arbeitsunfähig eingestuft. Die Symptome seien auf Mobbing zurückzuführen. Von seiner Krankentagegeldversicherung verlangte der Kläger ein Tagegeld von 117,37 Euro. Die Versicherung zahlte zunächst, lehnte später aber weitere Leistungen ab. Der Kläger sei wieder arbeitsfähig und könne auch woanders arbeiten, argumentierte sie. Die Versicherung unterlag beim BGH. Entscheidend sei, dass der Kläger krankheitsbedingt an seinem Arbeitsplatz nicht arbeiten könne. Ein Arbeitsplatzwechsel könne von ihm nicht verlangt werden.epd

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/25O383/3987663/Mobbing-Opfer-erhaelt-Geld.html

Kommentar:
Es ist in den letzten Jahren immer mal wieder vorgekommen, dass private Krankenkassen meinten, der Betroffene könne ja einfach den Job wechseln. Dieses Urteil war überfällig.

Es kann und darf nicht sein, dass Arbeitgeber nichts gegen Mobbing tun, die Situation aussitzen, statt sie zu klären und darauf warten, dass das Opfer so mürbe ist, dass es selbst kündigt. Spätestens seit 2006 (Einführung des AGG) und April 2007 (Verabschiedung der Rahmenvereinbarung IP 07/569) geht diese Taktik nicht mehr auf.

Wir fordern schon seit 1998 von den Krankenkassen, Kosten die durch Mobbing entstehen im Rahmen des Regresses vom Arbeitgeber zurückzufordern. Das ist auch möglich, weil es sich um einen eigenen Anspruch handelt. Statt sich schützend vor die Opfer zu stellen, warten die Krankenkassen bisher auf den Ausgang etwaiger Mobbingprozesse, um dann eigene Ansprüche durchzusetzen. Das ist nicht nur inakzeptabel, es kostet auch die Solidargemeinschaft unnötige Millionen. Hier sollte sich dringend etwas ändern!

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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf - Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.
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Ein Kommentar zu Mobbing-Opfer erhält Geld – Süddeutsche

  1. Sesamkorn sagt:

    Ich bin auch ein Mobbingopfer am Arbeitsplatz, bekam nach 2 1/2 Jahren Aushaltens dieser ganzen Situation tiefe Depressionen und dazu einen schweren Hörsturz, an dessen Folgen ich körperlich heute noch leide (und es gibt leider keine Lösung zur Heilung mehr). Mein Arbeitgeber sah auch nur zu.
    Seit über einem Jahr bin ich noch immer arbeitsunfähig.
    Die Krankenkasse (gesetzlich) hat mich monatelang unter Druck gesetzt, dass ich kein Krankengeld mehr bekäme, bis sie dann am Schluss gesagt hat, wegen Mobbings könne sie kein Krankengeld mehr zahlen, ich solle wieder arbeiten gehen, meine Probleme mit meinem Arbeitgeber lösen oder den Arbeitsplatz wechseln (dieser Druck tat für die Depression und Angst ihr Übriges).
    Aufgrund der unterstützenden Arbeit des DGB-Rechtschutzes habe ich einen Widerspruch eingelegt (eben Schreiben des Rechtsanwaltes) und plötzlich kümmerte sich man um mich bei der Krankenkasse und nahm mein Problem ernst.
    Jetzt half sie mir eine psychosomatische Klinik zu finden.

    Ich bin nun froh, für alle anderen Mobbingopfer, die eine solche Situation einschließlich der Probleme mit der Krankenkasse erleben müssen, dass für sie ein gerechtes Urteil ausgesprochen wurde!

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