Schüler der Bosseschule bestätigen Mobbing

Schüler der Bosseschule bestätigen Mobbing
Schulleiterin widerspricht Vorwürfen
VON KURT EHMKE

Auch im Fall der 15-jährigen Paula (Name geändert) soll es zu brutalen Attacken gekommen sein.
Mobbing und Gewalt an Schulen nehmen zu | SYMBOLBILD: DPA

Bielefeld. Im Fall der heftig gemobbten Bosse-Schülerin Paula (Name geändert) gibt es mittlerweile sich deutlich widersprechende Positionen: Eltern und Kind sagen, dass sie geschlagen wurde. Schulleiterin Andrea Prochnau bestreitet das unter Verweis auf vier Schüler als Zeugen auf dem Schulhof. „Das gab es nicht, sie wurde nur an den Haaren gezogen.“ Wie es zu Schädelprellungen und Schürfwunden am Kopf gekommen ist, könne sie sich nicht erklären.

Zudem bestreitet Prochnau, dass die Eltern jemals zuvor zu ihr Kontakt aufgenommen hätten, um über Mobbing zu sprechen. Erst nach dem Vorfall am Montag sei der Vater emotional aufgewühlt erschienen. „Ich habe gesagt, dass ich keine Zeit habe, er hat sofort losgebrüllt – und vor Schülern lasse ich mich nicht anbrüllen.“ Das Angebot, sich einen Termin geben zu lassen, habe der Vater abgelehnt. Sie halte den Vorfall für „aufgebauscht“.

Wütend und enttäuscht reagieren darauf die Eltern: „Es ist unverschämt, jetzt der Paula als Opfer auch noch den schwarzen Peter zuzuschieben“, heißt es, und: „Die Sekretärin weiß sehr gut, dass Paulas Mutter zu einem Gespräch bei Frau Prochnau war – dort hat sie gesagt, dass die Sicherheit von Paula beeinträchtigt ist und um Schutz gebeten.“ Fakt sei: „Wir waren natürlich auf dem Schulhof nicht dabei, glauben aber unserer Paula.“ Beide warteten noch immer auf einen Anruf von Prochnau. „Unsere Tochter hat eine Schädelprellung – und das soll vom Haareziehen kommen?“
„Haarbüschel rausgerissen“
Gestern kamen zwei Bosseschüler in die Redaktion. Sie hätten den Vorfall erlebt: Erst sei Paula so an den Haaren gezogen worden, „dass Büschel rausgerissen waren“, dann, wenige Meter vor der Schule, sei sie von denselben Mädchen geschlagen worden. Einer der beiden sagt auch, er sei auf dem Flur gewesen, „als die Eltern Frau Prochnau sprechen wollten – „sie hat die nicht angehört“, in derber Sprache sollen die Eltern rausgeworfen worden sein. Es sei, auch aus Sicht vieler Lehrer, ein Problem, dass Prochnau „einfach nicht sehen will, was hier an der Schule alles passiert“.

Unabhängig vom Konflikt an der Bosseschule, in dem unter www.nw-news.de in Kommentaren härteste Vorwürfe vor allem gegen die Schulleiterin erhoben werden, ordnet die Sprecherin der Bielefelder Realschulen, Evelyn Molle, das Thema ein: „An jeder Bielefelder Schule gibt es solche Vorfälle, das beginnt schon in der Grundschule.“

Polizei-Mobbing-Experte Lothar Rösler sagt: „Das geht quer durch die Schulen, durch das Internet hat das Thema eine ganz andere Dimension.“ Das sogenannte Cyber-Mobbing sei kein Dummer-Junge-Streich, warnt er. Viele Kleinigkeiten seien „in der Summe heftig“ für die Betroffenen. Über das vom Land ausgezeichnete Projekt „Surfen mit Sinn“ versucht der Sozial- und Kriminalpräventive Rat der Stadt Bielefeld dagegenzuhalten (www.surfen-mit-sinn.de)
„Immer wieder neue Strategien“
Beim Thema Cyber-Mobbing sei jede Schule unterschiedlich weit, fest stehe aber: „In allen Kollegien wird das oft diskutiert – wir werden aber immer wieder über neue Strategien nachdenken müssen“, sagt Evelyn Molle. Von Lehrern als Internetspionen hält sie wenig, „es gibt aber einzelne Kollegen, die da unerkannt unterwegs sind“.

Quelle: http://www.nw-news.de
http://www.nw-news.de/lokale_news/bielefeld/bielefeld/4188985_Das_Thema_Mobbing_geht_quer_durch_alle_Schulen.html

Das Internet ändert offensichtlich auch die Zivilcourage. Diese Schulleiterin wird mit ihrer Vogel-Strauß-Politik nicht durchkommen. Jetzt sieht sich diese Schulleiterin zahlreichen Schülern gegenüber, die den Mut aufbringen über die Mißstände an ihrer Schule öffentlich zu sprechen. Die Vorfälle der jüngsten Zeit und Kampagnen wie „das Schweigen brechen“ mögen zu dieser Entwicklung ihren Beitrag gleistet haben. Das wäre eine erfreuliche Entwicklung.

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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf – Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.

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