Setzt der Chef Mitarbeiter unter Druck?

Glinde. Man will sie offenbar loswerden: Drei Mitarbeiter der Firma Honeywell haben jetzt die Hamburger Mobbing-Zentrale um Hilfe gebeten. Seit sie sich weigerten, Aufhebungsverträge zu unterschreiben, sehen sie sich Schikanen ausgesetzt.

Drei Mitarbeiter der Honeywell Bremsbelag GmbH haben jetzt die Mobbing-Zentrale in Hamburg um Hilfe gebeten. „Den Mitarbeitern ist ein Aufhebungsvertrag angeboten worden“, berichtet Margit Ricarda Rolf, Geschäftsführerin der Mobbing-Zentrale. „Diejenigen, die den Vertrag nicht unterschrieben haben, sind von der Geschäftsführung massiv unter Druck gesetzt worden.“ Einen solchen Stil sei man bei Honeywell nicht gewohnt, sagen Mitglieder des Betriebsrats in der Glinder Niederlassung.
Sie beschreiben, wie die Kollegen unter Druck gesetzt werden: „Die Betroffenen sind über 50 Jahre alt, viele von ihnen arbeiten seit 30 Jahren im Unternehmen, haben gute Verträge und sich nichts zuschulden kommen lassen. Ihnen wird mitgeteilt, man sei mit ihrer Leistung unzufrieden.“ Wenn die Kollegen nicht unterschreiben, werde ihnen, teils im Beisein des Betriebsrates, gedroht: „Dann werden wir Sie anders los.“ Der Betriebsrat stellt fest: „Die Kollegen werden regelrecht zum Abschuss frei gegeben. Sie erhalten Ketten von Abmahnungen für Nichtigkeiten. Es ist vorgekommen, dass ein Mitarbeiter, der durchgesetzt hat, dass seine unberechtigte Abmahnung aus der Personalakte entfernt wurde, im Gegenzug zwei neue erhalten hat. Oder betroffene Kollegen werden vor versammeltem Team heruntergeputzt, weil sie Erwartungen nicht erfüllt haben, die nie formuliert worden sind.“ Laut Betriebsrat gebe es 15 Mitarbeiter, die die Geschäftsführung loswerden wolle. Drei hätten den Aufhebungsvertrag unterschrieben. Sie alle sind in der Bremsbelagproduktion mit insgesamt 900 Mitarbeitern beschäftigt.
Henrike Rauber von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie Energie (IG BCE) bestätigt, dass Mobbingfälle zwar zunehmen, aber nicht so massiv wie jetzt bei Honeywell. Laut Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz werden bundesweit etwa 1,5 Millionen Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz gemobbt. In mehr als 50 Prozent der Fälle geht die Schikane von Führungskräften aus oder sie sind daran beteiligt. Diese Mobbingform wird auch „Bossing“ genannt.
Jörg Ennen hingegen, Geschäftsführer bei Honeywell in Glinde, bewertet die Fälle anders: „Mobbing unterstützen wir selbstverständlich nicht, wir gehen vielmehr konsequent dagegen vor. Bei den beschriebenen Fällen handelt es sich um disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter, die ihre Aufgaben nicht erfüllen. Wir stellen sie aber nicht bloß, sondern erläutern ihnen im vertrauensvollen Rahmen – auch im Beisein des Betriebsrats – ihre Pflichten. Manchmal auch schriftlich, beispielsweise in Form einer Abmahnung.“
Der Betriebsrat hat beantragt, Margit Ricarda Rolf als Mobbing-Sachverständige im Betrieb zu beauftragen. Einst selbst von Mobbing betroffen und im gehobenen Verwaltungsdienst beschäftigt, hat sie sich als Beraterin bei Mobbing selbstständig gemacht. „Sollte die Geschäftsführung dies nicht genehmigen, haben wir keine Scheu, unsere Rechte vor Gericht durchzusetzen“, hält der Betriebsrat fest.

Quelle: http://www.bergedorfer-zeitung.de/glinde/article177445/Setzt_der_Chef_Mitarbeiter_unter_Druck.html

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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf – Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.

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