Suche nach dem Betreiber der „Lästerseite“ von FAZ

Die neue Internetseite, auf der Schüler über andere Jugendliche herziehen konnten, ist nach Protesten abgeschaltet worden. Zwar soll sie bald wieder online sein – doch wollen Polizei und Staatsanwaltschaft dem Betreiber das Handwerk legen.

Von Helmut Schwan und Matthias Trautsch

„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“: Leitender Oberstaatsanwalt Günter Wittig„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“: Leitender Oberstaatsanwalt Günter Wittig
02. Februar 2011

Der Betreiber der Internetseite, die es angeblich möglich machte, „hundertprozentig anonym“ Mitschüler zu beleidigen, hat nach einer Welle der Empörung das Forum mittlerweile abgeschaltet. Es soll aber demnächst wieder ans Netz gehen – dann auf einem „juristisch unangreifbaren“ Server, wie es im übergangsweise erscheinenden Blog hieß.

Der Anbieter des stark frequentierten Forums sollte sich freilich nicht zu sicher fühlen. In mehreren deutschen Städten arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft daran, ihm und anderen Betreibern ähnlicher Seiten auf die Spur zu kommen und sie wegen Beihilfe zur Beleidigung, übler Nachrede oder auch zur Bedrohung zu verfolgen.

Generalstaatsanwaltschaft ermittelt

In Hessen, wo die Seite vor allem von Schülern aus dem Rhein-Main-Gebiet genutzt wurde, hat die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt die Ermittlungen an sich gezogen. Zum einen, weil man zeigen wolle, wie ernst man solche Entwicklungen nehme, selbst wenn für die in Betracht kommenden Delikte meist nur geringe Strafen drohten, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig.

Die Schmähungen hätten ein Ausmaß erreicht, das selbst für die großzügigen Maßstäbe des Internets ungewöhnlich sei. Mitunter könne man durchaus von einer „virtuellen Steinigung“ sprechen. Aus England seien Fälle bekannt, in denen Opfer solcher Kampagnen in den Suizid getrieben worden seien. Als besonders perfide hat es Wittig deswegen empfunden, dass auf dem deutschen Cybermobbing-Portal ein Link zur Telefonseelsorge geschaltet gewesen sei – für Opfer, die mit den Anwürfen nicht selbst klar kommen.
Internet kein rechtsfreier Raum
Zum Thema

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Man wolle nicht die Jugendlichen kriminalisieren, die Mitschüler mobbten, stellt der Strafverfolger klar. Ziel sei es allein, dem menschenverachtenden Unwesen ein Ende zu bereiten und den Betreiber zu identifizieren. Es müsse deutlich werden, dass entgegen einer immer noch weitverbreiteten Ansicht das Internet kein rechtsfreier Raum sei.

Wittig bewertet es daher als ersten Erfolg, dass die Seite abgeschaltet wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft hat sich aber auch deshalb für zuständig erklärt, weil in der Behörde Juristen arbeiten, die sich darauf verstehen, vermeintlich gut getarnte Kriminelle im Netz aufzuspüren. Das haben sie zuletzt im Ermittlungsverfahren gegen einen Kinderporno-Ring bewiesen, gegen dessen Mitglieder derzeit in Darmstadt verhandelt wird.
Schritt mit den Straftätern halten

Oberstaatsanwalt Wittig hat seine Karriere in Frankfurt als Ermittler gegen Korruption und organisierte Kriminalität begonnen. Danach sammelte er Erfahrungen im Ministerium und als stellvertretender Behördenleiter in Fulda, „auf dem flachen Land“, wie er sagt. Die Mobbing-Seite ist für ihn ein weiteres Indiz dafür, wie sehr die Justiz sich anstrenge müsse, Schritt mit den Straftätern zu halten. Nicht nur gesellschaftlich fragwürdige Erscheinungen seien zunehmend in der virtuellen Welt zu beobachten; dort zeige sich auch Kriminalität in schwerer Form. Viele illegale Schusswaffen, die man früher nur über gute Kontakte ins Milieu habe bekommen können, würden inzwischen über das Internet vermittelt.

Ob im Fall der „Hass-Homepage“ die Recherchen seiner Spezialisten erfolgreich sein werden, vermag Wittig noch nicht zu sagen; er sei entgegen der Meinung sogenannter Experten aber vorsichtig optimistisch. Dutzende Eltern hätten in der vergangenen Woche bei den Polizeidienststellen angerufen, bis Montag seien rund zehn formale Anzeigen und Strafanträge eingegangen.
Ansprache des Direktors an die Schüler

An den meisten Schulen hat sich die Aufregung jedoch inzwischen gelegt. Schon bevor die Mobbing-Plattform vom Netz ging, hätten ihre Schüler dort nicht mehr „gepostet“, sagt etwa Petra König, Leiterin der Frankfurter Anna-Schmidt-Schule. Sie führt dies auf die Aufklärung durch das Kollegium und die Eltern zurück.

Am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt hatte Direktor Thomas Mausbach eine Veranstaltung genutzt, um sich mit einer Ansprache direkt an die Schüler zu wenden. „Ich habe ihnen klargemacht, dass sich jeder, der bei so etwas mitmacht, selbst von der Gemeinschaft unserer Schule ausschließt.“ Allerdings bleibe das Verhalten in sozialen Netzwerken und der Umgang mit dem Internet im Allgemeinen ein wichtiges Thema für die schulische Erziehung, darin sind sich König und Mausbach einig.
Eltern auf Cyber-Mobbing schlecht vorbereitet

Hilfe für ratsuchende Eltern bieten der Frankfurter Stadtelternbeirat und der Verein „Eltern für Schule“ an. Meist seien Eltern ebenso wie Kinder auf das Thema Cyber-Mobbing schlecht vorbereitet, sagt Wilfried Volkmann vom Verein. Die Eltern wüssten zu wenig über die Möglichkeiten des Web 2.0, während die Schüler sich zwar oft mit der Technik auskennten, aber die Konsequenzen des Agierens im weltweiten Netz unterschätzten.

Schon vor der jüngsten Diskussion um die mittlerweile abgeschaltete Läster-Seite hatten die Elternvertreter eine Reihe von Workshops organisiert, in denen Erziehungsberechtigte lernen können, wie sie ihre Kinder vor Gefahren im Internet schützen können. Diese Schulungen sollen nach Volkmanns Worten auch künftig alle zwei bis drei Monate stattfinden. Aufklärung verspricht überdies eine Vortragsveranstaltung unter dem Titel „Cyber-Mobbing“, zu der der Stadtelternbeirat für Mittwoch, 23. Februar, von 19.15 bis 21.45 Uhr in die Aula des Frankfurter Lessing-Gymnasiums einlädt.

Quelle: faz.net Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Helmut Schwan

Nun könnte man natürlich sagen: „Das wurde ja auch langsam Zeit.“ Wird man immer erst aktiv, wenn es Tote gibt? Das sagen wir nicht! Wir freuen uns, dass dieser Fall dazu führt, das Thema Cyber-Mobbing in den Fokus zu rücken. In jeder Stadt sollte es solche Initiativen geben. Internet-Bildung gehört heute in den Lehrplan, denn für die Schüler ist die Cyber-Welt so real wie die Realwelt für ihre Eltern und Lehrer. Zeit also für die Erwachsenen sich um diese Parallelewelt Gedanken zu machen.

Wir werden auch weiter gern über ähnliche Aktionen an anderen Schulen und in anderen Städten berichten. Weiter so!

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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf - Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.
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2 Kommentare zu Suche nach dem Betreiber der „Lästerseite“ von FAZ

  1. Ricarda sagt:

    Du hast merkwürdige Vorstellungen.

    Auch ich prangere Mißstände an. Der Unterschied ist allerdings der, dass ich Fakten nenne und belege, oder mich im Rahmen der freien Meinungsäußerung bewege und die Verantwortung übernehme durch meinen Namen und mein Impressum.

    Anonym auf andere draufhauen zeugt nur von Feigheit. Das ist nicht clever, sondern erbärmlich. Ob der Betreiber von IShareGossip Gelegenheit haben wird, am PC zu arbeiten, wage ich zu bezweifeln, denn ich hoffe sehr, dass seine Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt wird. Er zeigt ja deutlich, dass er seine Fehler nicht einsieht.

    Sein Vorgehen ist auch nicht politisch motiviert. Ihm geht es offensichtlich nur um Aufmerksamkeit und das auf so eine Weise zu tun, ist schon ziemlich krank. Vielleicht wird es Zeit Sponsoren zu gewinnen, die eine Belohnung aussetzen für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen. Mal sehen, ob wir welche gewinnen können.

  2. The_Anonymos sagt:

    Ich hoffe dass diese Seite was die Onlinepranger angeht, eine ähnliche Wirkung hat wie Tunesien auf Ägypten, Jemen usw..

    Entweder generell Nachahmer (auch in anderen nicht so unbedeutenden Bereichen, z.B. gegen Politiker, Polizisten, Justizvertreter usw.), und/oder wenn er verschwindet Nachfolger.
    Auch wenn er dicht macht oder ihm die Sache zu heiß würde (falls er doch nicht so gut aufgepasst hat), könnte er zumindest eine Webseitensoftware schreiben, die jeder interessierte Betreiber ohne Programmierkenntnisse benutzen kann. Darauf ausgelegt dass Besucher eine Datenbank mit Personendaten und ihren Storys über sie füllen können.
    Man könnte es sich vorstellen wie einen „Polizeicomputer wo jeder Zugriff hat, „Vergehen“ eintragen kann usw..

    So einen Code (Programm) zu schreiben ist nicht strafbar. Was die Nutzer damit machen, dafür kann der nicht belangt werden. Da könnte er sogar ganz offen auftreten. Genau so wie Windmühlen nicht für Menschen zur Verantwortung gezogen wird, die mit ihren Küchenmessern abgestochen wurden.

    Was er übrigens ganz legal dürfte, sind Anleitungen zum Suizid (z.B. Holzkohlengrill im geschlossenen Schlafzimmer…).

    Na wenigstens steht hier nun, dass Experten bestätigen dass die Chance geringer ist als der Herr Wittig annimmt.
    Ein Mann mit Null Ahnung von den technischen Hintergründen gegen Experten die sich gut mit so etwas auskennen.
    evtl. findet er sich damnächst selbst auf einer solchen Seite wieder.

    Es ist irrelevant wie viele Eltern Anzeige erstattet haben.
    Das erinnert an den Glauben dass wenn nur genug Menschen für etwas beten…..

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