Cyber-Mobbing: BZ ahndet Fall mit Arbeitseinsatz

Cyber-Mobbing: Wenn Fotos oder Filme ohne Zustimmung des Gezeigten im Internet landen.
Cyber-Mobbing: Wenn Fotos oder Filme ohne Zustimmung des Gezeigten im Internet landen. (Foto: dre)

Von Ingeborg Wagner

Markdorf Ins Internet-Videoportal „YouTube“ haben drei Markdorfer Schüler der achten Klasse einen Film über ihren Mitschüler gestellt: Es zeigte ihn in einer „sehr nachteiligen Situation“, wie Helmut Faden, Rektor der Werkrealschule am Bildungszentrum (BZ) sagt: „Er wurde dadurch erniedrigt und bloßgestellt.“

Die Schulleitung reagierte sofort. Zuerst kam die Klassenkonferenz, nach diesem Ergebnis wurden die Eltern einbestellt. Die Schulleitung plädierte für eine Woche Schulausschluss mit der Auflage, in dieser Zeit in der Markdorfer Stadtgärtnerei zu arbeiten. „Mit dieser deutlichen Konsequenz haben wir deshalb reagiert, um eine Botschaft an alle Schüler zu richten: Wir reden nicht nur, sondern der Täter bekommt die Konsequenzen zu spüren“, sagt Faden. In dieser Form sei es das erste Mal gewesen, dass die Schule mit einem solchen Fall konfrontiert worden sei. „Wir wollten entschlossen und sensibel darauf reagieren.“

Portal wird weltweit eingesehen

Cyber-Mobbing heißt der Überbegriff für diese Art der Ausgrenzung von Mitschülern oder Kollegen. Meist finden sich erniedrigende Handyfotos, -filme oder vernichtende Kommentare über andere in sozialen Netzwerken wie Facebook wieder, sagt Peter Köstlinger von der Kriminalpolizei in Friedrichshafen. Im Gegensatz zu YouTube, das weltweit eingesehen werden kann, haben in Facebook nur die jeweiligen „Freunde“ des Angemeldeten Zugriff darauf. „Ich weiß nicht, was schlimmer ist“, bekennt er: Wenn die Menschen aus der unmittelbaren Umgebung Bescheid wissen – „oder eine eher anonyme Masse weltweit“. Ihm als Fachmann ist es recht, wenn die Täter den Bildschirm benutzen. Denn: „So haben wir ein Beweismittel und bekommen zu 100 Prozent alle, die so etwas tun.“

Auch die Schulleitung der Markdorfer Werkrealschule hat die entsprechende Datei gesichert, nachdem sich eine Lehrkraft an Helmut Faden gewandt hatte, und die Schüler aufgefordert, das Video sofort zu löschen. Helmut Faden: „Wir haben versucht, den Schaden damit zu begrenzen.“ Um zu verhindern, dass sich die Schüler über eine Woche Schulausschluss freuen und die Zeit daheim mit Medienkonsum verbringen, habe man sie mit einer „pädagogisch sinnvollen Tätigkeit kombiniert“: Arbeitsalltag in der Gärtnerei schnuppern. Die Eltern der Schüler seien einverstanden gewesen, sagt er. Und in der städtischen Gärtnerei sei das Entgegenkommen dagewesen – dort hat man Hilfe gebrauchen können.

Die Hausordnung des Bildungszentrums besagt, dass es verboten ist, ohne Einwilligung des Betreffenden einen anderen Menschen zu filmen oder zu fotografieren. Dazu kam in diesem Fall der Sprung, diese Aufnahmen in die Öffentlichkeit zu stellen. Dem Rektor geht es nicht um Schuldzuweisung: „Die Schüler hatten kein Bewusstsein dafür, was sie damit anstellen.“ Nämlich dass theoretisch jeder Mensch auf der Welt diese Aufnahmen sehen kann. Helmut Faden: „Es ist, als ob man jemanden auf den Marktplatz stellt und ihn demütigt.“ Er weiß: Für das Opfer kann diese Situation sehr beschämend sein und Reaktionen hervorrufen, die Angst machen können.

Das Bewusstsein für den Umgang mit den Medien zu schärfen – dazu dienen die Gewaltpräventionswochen, die der Kriminalbeamte Peter Köstlinger seit Jahren an den Schulen anbietet. Auch in Markdorf.

„Köstlinger: „Das Thema Mobbing wird dabei intensiv beackert, auch sehr emotional.“ Die Schüler seien betroffen, wenn ihnen vernittelt wird, wie sich das Opfer fühlt, wenn es kaputtgemacht, ausgegrenzt und gedemütigt wird.

Und doch: „Ich habe den Eindruck, Mobbing nimmt zu.“ Oft oute sich in diesen Schulstunden ein Opfer und will seine Geschichte erzählen, auch in dem Bewusstsein: „Endlich ist da jemand, der mir zuhört, denn die Lehrer glauben mir nicht“, sagt Köstlinger.

Neben diesen regelmäßigen Veranstaltungen an Schulen sieht sich Köstlinger auch mit „Feuerwehrdienst“ konfrontiert: Schulen wenden sich an ihn, wenn sie einen konkreten Fall haben. Am Mittwochmorgen ist er dafür wieder an einer Schule im Bodenseekreis. Nicht in Markdorf, wohlgemerkt. Den Umgang der Schulleitung mit diesem Fall Cyber-Mobbing hält Köstlinger im übrigen für genau richtig: „In solch einem Fall muss ein Exempel statuiert werden.“ Die deutliche Reaktion der Leitung spreche sich bestimmt schnell herum.

(Erschienen: 12.03.2012 23:00)

Quelle: http://www.schwaebische.de/region/bodensee/markdorf/stadtnachrichten-markdorf_artikel,-Cyber-Mobbing-BZ-ahndet-Fall-mit-Arbeitseinsatz-_arid,5221453.html

Kommentar:
Durch den Arbeitseinsatz wird den Jugendlichen bewußt, dass sie Schaden angerichtet haben, besonders dann, wenn der Erlös daraus dem Opfer ausgezahlt werden muss. Ein richtiger Ansatz im Sinne des Täter/Opfer-Ausgleichs.
Fotos ins Netz zu stellen ist außerdem eine Straftat.




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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf - Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.
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