Stadtreinigung Hamburg – Altersdiskriminierung

Personalversammlung 3

Anlässlich der Personalversammlung bin ich mit vielen ins Gespräch gekommen.
Ich durfte ja nicht ins Gebäude, also blieb ich davor, lief zwischen Audi-Max und Mensa hin und her, verteilte unsere Aufkleber und wärmte mich hin und wieder in der Mensa auf.

Zwischendurch sprach ich einige an und erkundigte mich bei ihnen, wie es ihnen persönlich geht bei der Mülle. Dabei machte so mancher seinem Herzen Luft und plauderte aus der Schule.

Ich möchte zwei Gespräche heraus greifen:

Bei der Schließung der Mülldeponie wurde den Müllmännern nahe gelegt
in Altersteilzeit zu gehen oder einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben.
Darauf mögen wohl auch etliche eingegangen sein.
Grundsätzlich spricht ja auch nichts dagegen,
so eine Schließung zum Anlass zu nehmen
über den vorzeitigen Ruhestand nachzudenken.

Dabei kommt es aber immer auch das wie an!
Wenn einem Müllmann nach Jahrzehnten gedroht wird:
„Entweder du unterschreibst oder du gehst in orange!“ – was im Klartext heißt:
„Auf der Deponie haben wir keine Arbeit mehr für dich und wenn du nicht ausscheidest, dann darfst du Schwerstarbeit machen – wir kriegen dich schon klein!“ – dann könnte das den Straftatbestand der Nötigung erfüllen.

Nun möchte ich natürlich niemanden in Gefahr bringen.
Es wurde aber bei diesem Gespräch sehr deutlich,
unter welchem Druck einige bei der Mülle stehen.
Gefolgt von dem Satz: „Ich hab´ja nur noch xxx Jahre bis zur Rente.
Das schaff ich schon.“ – stellt sich natürlich auch die Frage,
wie gefährlich es ist, wenn ein Müllmann die Arbeit
eigentlich nicht mehr schaffen kann, aber sich irgendwie durch den Tag quält.

Ein anderes Gespräch macht es noch deutlicher.
Die Bandscheibe quält ihn seit Jahren, aber er schleppt schwere Müllcontainer.
Auf meine Frage, warum er denn nicht einen leidens-gerechten Arbeitsplatz einfordert, die Antwort:
„Dann würde ich mir selbst den Ast absägen.
Die Mülle hat solche Arbeitsplätze nicht.
Dann wäre ich arbeitslos und danach in Hartz IV.“

Es gab ja mal eine Rückenschule bei der Mülle, ein Bus,
der gern als Vorzeigeprojekt das Image aufpolieren sollte.
Er wurde abgeschafft und auch dazu habe ich viel von den Müllmännern gehört.
„Die alten Zeiten gibt´s nicht mehr. Das ist lange vorbei.
Heute werden die Leute nur noch verheizt.“ – „Und der Personalrat?“ war mein Einwand. „Ach der…“ und dann legten sie richtig los!
Aber das ist ein anderes Thema.  Den habt ihr schließlich gewählt!

Und was ist mit der Sicherheit, wenn ihr nicht fit seid?“ wollte ich wissen.
Das Thema ruft dann doch eher Gelächter hervor.
Als wenn das noch irgend wen interessieren würde!
Geht doch alles nur noch um billiger billiger billiger
Da brauch´ ich mir doch nur mal die WERT angucken
und von denen macht bestimmt keiner den Mund auf.
(WERT ist ein Unternehmen, das über die Stadtreinigung Hamburg
zu 100% in die Freie und Hansestadt Hamburg eingebunden ist.)

Es waren interessante Gespräche, die ich geführt habe.
Die Aufsichtsräte wären gut beraten, sich auch mal unters Volk zu mischen
– nicht im Nadelstreifenanzug versteht sich –
und einfach mal genau hinzuhören, wo der Schuh drückt.

Margit Ricarda Rolf
. – Mobbing-Zentrale –

.   
.   
.   
:

Diesen Artikel mit anderen teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • XING
  • Facebook
  • LinkedIn
  • Live-MSN
  • MySpace
  • MisterWong
  • Webnews
  • MyShare
  • Ask
  • email
  • Print

Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf - Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Arbeitskreis, Hilfe, Mobbing, Mobbing-Zentrale, Mobbingberatung, on Tour, Politik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Stadtreinigung Hamburg – Altersdiskriminierung

  1. Gemobbter Müllmann aus SRH sagt:

    Hi Ricarda,

    sehr interessant und hoffentlich nutzbar dieser Zeuge, gerade wenn er dabei war und sogar nicht (!) bei der SRH beschäftigt ist.

    Und da es bekanntlich für alle Vorgänge in der SRH nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich die eine das der Geschäftsführer von allen nichts wusste oder dieses in seinen Wissen durchgesetzt werden soll, beides wäre unerträglich !

    Denn ein Geschäftsführer sollte wissen und bemerken wenn etwas im Betrieb nicht stimmt und dafür gab es in der Vergangenheit und gerade in der Gegenwart genug Anzeichen um dagegen Steuern zu können !
    Aber wenn ein Geschäftsführer davon wusste und dieses sogar gewollt durch seine Anordnung auch so umgesetzt werden sollte, wovon man leider (!) ausgehen muss, dann ist dieses die schlechteste von beiden Varianten und zugleich zeigt sich was für ein Mensch dieser doch war und noch immer ist.
    Dieser Geschäftsführer ist nicht länger tragbar für die SRH und sollte daher von der Politik seines Amtes enthoben werden, bevor die Stadtreinigung noch mehr schaden erleidet als momentan schon, den das wollen alle nicht (!) mobbenden Angestellten der SRH die tagtäglich gerne zur Arbeit gekommen sind keinesfalls !

    Und alle anderen wie diese Frau die es in meinen Augen nicht wert ist auszusprechen, wenn man Menschen derart bedroht gleich mit !!!

    Nochmals einen Appell an die liebe Politik, nehmen sie die Probleme innerhalb der SRH sehr ernst, den mein Gefühl hat mich immer noch nicht verlassen, das wir demnächst irgendein Vorfall haben könnten, wo vielleicht nicht wie schon in der Vergangenheit passiert sich jemand selber was antun wird, sondern es werden dann andere Personen zu schaden kommen die Verursacher des ganzen sein könnten oder waren !

    KP: A M O K – Lauf in der SRH
    Soll oder muss es denn erst noch einen AMOK Lauf in der SRH geben und das evtl. noch durch die Chefetage ,bevor nicht endlich die Politik richtig handelt?!

    Wer stellt sich dann hin und übernimmt in so einen Fall die Verantwortung ?

    LG an alle nicht (!) mobbenden Kollegen der SRH und anderen in ganz Deutschland

    KP-AMOK

    • Ricarda sagt:

      Da einige Vorgänge von Siechau persönlich bearbeitet worden sind
      O-Ton: „Ihre Akte liegt beim Geschäftsführer“, gehe ich davon aus, dass alle anderen auf Anweisung handeln.
      Das ändert aber nichts daran, dass jeder für sein Handeln selbst verantwortlich ist.
      Wenn der Chef sagt: „Spring vom Dach!“ würde man ja auch nicht einfach springen.

      Ich hoffe nicht, dass der Leidensdruck so groß ist, dass jemand Amok läuft oder sich tatsächlich das Leben nimmt.
      Es sollte sich inzwischen in der gesamten Stadtreinigung herum gesprochen haben, dass es uns gibt.
      Wir helfen sehr konkret, wenn man uns lässt.

      KP-AMOK

  2. Gemobbter Müllmann aus SRH sagt:

    Hi Ricarda,

    als aller erstes wäre man gut beraten die Stellen als Gruppenleiter dafür zu nutzen, denn mit so einer Erfahrung die ein Müllmann über Jahre von draußen mitbringt ist durch nichts zu ersetzen.
    Er kennt Standplätze,Straßen und Regionen aus dem FF und somit durch nichts besseres zu ersetzen !
    Denn Studierte,Quereinsteiger oder andere (selbstständige) gescheiterte Existenzen ist, kann und darf nicht die richtige Lösung für die Zukunft der SRH sein !
    Denn die meisten von denen kannste nur in die Tonne treten !
    Die meistens haben keine Ahnung von Menschenführung und vom praktischen her gesehen ebenso, denn die haben noch nie in ihren Leben eine Tonne gesehen, geschweigenden das sie irgendwelche Straßen und Regionen kennen.
    Das einzige was diese können ist die Hand auf halten und E10 kassieren !!!

    Solche Mitarbeiter braucht die SRH nicht, sondern Mitarbeiter mit langer Berufserfahrung, wie eben langjährige Müllmänner die nicht mehr so können wie sie gerne wollten.

    Der Ablauf untereinander würde dadurch viel mehr Familiär und Freundschaftlich ablaufen, wie früher und man würde wieder mehr Hand in Hand arbeiten untereinander.

    Weiterhin könnte man wieder die Kaifaktoren reaktivieren, die immer in der Vergangenheit die Sozialräume,Duschen und Toiletten sauber gehalten hatten.
    Denn die Sch… privaten Firmen hinterlassen alles mit größten mängeln und das Tag für Tag.

    Postdienst der angeblich auch eingestampft werden soll, könnte man wie in der Vergangenheit auch von diesen Kollegen machen lassen.

    Handschuhausgabe, Tonnenlager, Küche,Pförtner ist noch (!) vorhanden, aber wahrscheinlich auch nur eine Frage der Zeit bis diese Stellen abgeschafft werden.

    Wenn man will und seine Mitarbeiter wertschätzt und anerkennt was diese über Jahre geleistet haben, dann kann man Stellen einrichten und auch erhalten !

    Wenn man aber immer nur ans einsparen,kürzen und Kompremieren denkt, nur damit von oben herab man gut beim Senat da steht und gleichzeitig eine fette Prämie kassiert in vorm von zuletzt 70.000€ wie unser Geschäftsführer und Konsorten das auf kosten der Knochen der gesamten Kollegen in der SRH und das schon über Jahre seit dem der Geschäftsführer die Verantwortung übernommen hat, dann muss man sich auch nicht weiter wundern das man keine Stellen mehr hat.

    Das die SRH heute so gut da steht, ist in aller erster Linie den Mitarbeitern (!) der SRH zu verdanken und nicht in erster Linie dem Geschäftsführer der SRH !

    Und alleine weil es der SRH gut geht sollte und ist man in der Pflicht unseren älteren Kollegen bei zu stehen wo es nur geht und nicht noch Mobbing und Bossing gegen diese zu betreiben !

    Das sollte der Arbeitgeber seinen Angestellten der SRH auch immer schuldig bleiben!!!

    LG an alle nicht (!) mobbenden Kollegen der SRH und anderen in ganz Deutschland

    • Ricarda sagt:

      Danke für deine Anregungen. Fest steht jedenfalls, dass Drohungen seitens der Personalabteilung nicht mehr hingenommen werden. Wenn der Personalrat die Fälle nicht aufgreift, werden es unsere Anwälte tun. Ich habe inzwischen mit einigen Müllmännern gesprochen und nachgefragt. In einem Fall gibt es einen zeugen für die Drohung durch Frau Pildner, der nicht bei der Stadtreinigung beschäftigt ist.

      Wir diskutieren hier die Frage, wie Frau Pildner dazu kommt, Müllmännern, die in einem unkündbaren Arbeitsverhältnis stehen zu drohen, wenn sie den Aufhebungsvertrag nicht unterschreiben würden, würde man andere Mittel finden, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Bei der Stadtreinigung gäbe es für denjenigen bzw. diejenigen keine Zukunft mehr. Das würde sich doch in ihrer Position niemand wagen, wenn es nicht von oben abgesegnet wäre, oder?

      Wann fängt der Personalrat endlich an, sich für diese Fälle zu interessieren?

  3. Gemobbter Müllmann aus SRH sagt:

    Hi Ricarda,

    dank erhält man nur dann wenn man immer schön in die Richtung geht, die einen vorgegeben wird.

    Ändert sich diese in Form von Gesundheit oder vertreten eigener Meinung die als Kritik an einzelne Personen war genommen wird, weil diese tatsächlich immer denken ihnen gehört die ganze SRH und vergessen dabei, das alle (!) wie sie da sind auch nur Angestellte sind, dann hat man hier in der SRH heftige Probleme.

    Denn früher gab es aus guten Grund wie ich meine sozial gerechte Plätze für Leistungsgeminderte Kollegen, die aber dank unseres Geschäftsführers & Co über die Jahre abgeschafft wurden !

    Was die Kollegen über Jahre geleistet haben ist plötzlich Vergangenheit und selbst eine Lohnstandssicherung die wir mal hatten wurde abgeschafft und der PR hat brav alles abgenickt !

    Wenn die Hamburger und andere in Deutschland mal wüssten was Müllmänner am Tag in Hamburg zu leisten haben bei Wind und Wetter, dazu eine immer mehr zunehmende Kompremierung der Arbeit, z.B. wie momentan gerade am Bullerdeich und das die noch kommenden 40 Jahre, dann sind gesundheitliche Probleme wei z.B. Rücken,Arme,Beine vorprogrammiert !
    Das selbe gilt natürlich für die Kollegen Büroangestellte die ebenso unter Druck stehen und Überstunden,Kompremierung,Mobbing und Bossing ausgesetzt sind !

    Aber anstatt diesen Kollegen zu danken ihnen unter die Arme zu greifen mit einen leidensgerechten Arbeitsplatz, tut man genau das Gegenteil.
    Man schafft diese einfach nach und nach ab und stellt sich dann als SRH hin und erklärt das man nichts mehr anbieten kann an einen alternativen Arbeitsplatz.

    Und das alles nur weil man sich hier seit Jahren hinstellt und ausrichten will als ein halb Staatliches Wirtschaftsunternehmen.
    Den profit heimsen Geschäftsführer & Co ein über ihre Jahre langen Prämien auf dem Rücken aller Kollegen die dieses Tag für Tag ertragen müssen !

    Weiterhin zeigt das lächerliche „Angebot“ in Teilzeit zu gehen bei max. 4/4 Jahren mit einer Brutto grenze von 3500€ bei 90% Gehalt.
    Kommt man dort drüber, was viele ältere Kollegen der SRH tun, würde man nur noch 82% Gehalt erhalten und das sind teilweise bis zu 500€ Verlust bei seinen jeweiligen Gehalt.

    Und deswegen sind viele Kollegen bis heute verständlicher weise nicht in diese Teilzeit gegangen !

    Jetzt soll diese Grenze „angeblich“ auf 3800 – 4000 € angehoben werden, so wie man hört.
    Wäre in meinen Augen ein richtiger Schritt, nur leider ist die Teilzeit erst einmal nur um 2 Jahre verlängert worden und nicht wie zuletzt auf 8 Jahre, was in meinen Augen wieder verkehrt ist um einen Anreiz zu schaffen.

    Als soziales Unternehmen selbst im Net zu werben und dieses in Wirklichkeit nicht zu tun, spiegelt die gesamte Falschheit der SRH wie sie momentan intern besteht wieder.

    LG an alle nicht (!) mobbenden Kollegen der SRH und anderen in ganz Deutschland

    • Ricarda sagt:

      Wir brauchen hier sicher ein Gesamtkonzept. Das hatte ich bereits angesprochen. Piloten gehen mit 44 Jahren in Pension, können aber dennoch eine neue Tätigkeit annehmen oder sich selbständig machen. Im Pflegebereich wurden Lösungen geschaffen durch die Koordination für Angehörige. Die Krankenschwestern sind nach einer kurzen Fortbildung beratend tätig und begleiten den Übergang vom Krankenhaus zur ambulanten Pflege oder ins Heim.

      Wie man Müllmännern den Weg ebnen könnte von der harten Knochenarbeit bei Wind und Wetter zu einem Arbeitsplatz, der menschenwürdig ist und ihren Besitzstand garantiert, weiß ich noch nicht. Dazu müssten wohl auch die Müllmännern an einem Katalog mitarbeiten, der aufzeigt, welche Arbeitsplätze besonders belastend sind, und welche auch mit Rückenproblemen noch wahrgenommen werden könnten. Wir können im Arbeitskreis gern an diesem Katalog arbeiten. Einige Politiker sind inzwischen mit der Problematik Stadtreinigung befasst. Inwieweit hier seitens des Senats ein Arbeitsgremium geschaffen werden kann, wird geprüft. Was ich nicht zulassen werde, ist, dass die Müllmänner zum parteipolitischen Spielball werden. Wenn ich das gewollt hätte, wäre es längst zu einer öffentlichen Debatte gekommen.

      Wenn sich aber abzeichnen sollte, dass sich die Verantwortlichen nicht bewegen, wird sich das nicht vermeiden lassen. Bisher jedoch signalisiert der Bürgermeister immer wieder, dass er ein Auge auf die Entwicklung hat. Ich werde ihn wahrscheinlich zum nächsten Stadtteilgespräch wieder persönlich sprechen und auf der Altonale. Sollte es daneben eine Veranstaltung „Senator vor Ort“ geben, werde ich auch diese wahrnehmen, um den Dialog zu suchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.