Münchner Amoklauf – ein Mobbing-Fall?

Ricarda-P1

Margit Ricarda Rolf
– Mobbing-Zentrale –

Wo Mobbing drauf steht,
.sollte auch Mobbing drin sein, könnte man sagen.

Wir sprechen von Mobbing,
wenn eine ungelöste Konfliktsituation
mindestens 6 Monate besteht und eine
Mobbing-Handlung einmal wöchentlich erfolgt.

Deshalb werbe ich mit dem Slogan:
Stoppt Mobbing – bevor es beginnt,
denn wenn man Konflikte hat,
sollte man mit der Lösung keine 6 Monate warten.
Das macht keinen Sinn.

Im Falle des 18-jährigen Amokläufers von München wird jetzt über die Frage diskutiert, ob es sich um die Tat eines langjährigen Mobbing-Opfers handelt.

Nun kenne ich den Fall nur aus den Medien.
Deshalb gehe ich auch auf den konkreten Fall nur bedingt ein.
Ich möchte aber Grundsätzliches dazu ansprechen.

Würde der Täter seit 7 Jahren von Mobbing betroffen sein,
dann hätte das ungefähr mit 11 Jahren angefangen,
also etwa nach Ende der Grundschulzeit.

Ich erlebe es sehr häufig, dass die Fälle zu diesem Zeitpunkt beginnen,
besonders bei Jungen.  – Der Klassenverband wird auseinander gerissen,
die Schüler beginnen, die Rangordnung in der neuen Gruppe neu zu sortieren,
gruppendynamische Prozesse grenzen einen oder einige als Schwache aus
und das erkorene Opfer hat kaum eine Chance, akzeptiert zu werden,
oft bis zum Ende der Schulzeit.
(Bei Mädchen erleben wir das später, etwa ab dem 13. Lebensjahr).

Das zeigt, dass wir diesen Lebensphasen unserer Kinder besondere Aufmerksamkeit schenken müssen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben sollen.
Gefordert ist ganz besonders der rege Dialog, sowohl zwischen Eltern und Kindern,
als auch zwischen Eltern und Lehrern. – Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund findet der jedoch nur spärlich und teilweise überhaupt nicht statt.
Von Lehrerinnen weiß ich, dass er sehr schwierig ist,
wenn die Eltern Muslime mit geringen Deutschkenntnissen sind.
Da kommt es sogar zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten,
und welche Lehrerin möchte sich dem schon aussetzen.

Wenn sich jemand 7 Jahre als Mobbing-Opfer begreift
und seine einzige Chance zur Gegenwehr in einem geplanten Amoklauf sieht,
muss es auch seitens der Erwachsenen zu erheblichen Versäumnissen gekommen sein.

Wie Dirk Marx (Konzern-Betriebsratsvorsitzender der Post AG) so schön sagte,
hat auch der Mobbingbetroffene die Verantwortung „Handzeichen“ zu geben.
Was ich in der Berichterstattung vermisse, ist eine schlüssige Historie dessen,
was im schulischen Umfeld und in der therapeutischen Betreuung geleistet wurde.
Wenn ein Kind oder Jugendlicher tatsächlich über 7 Jahre gemobbt wird,  dann
kann das nicht von Eltern, Lehrern und Mitschülern unbemerkt geblieben sein.
Dann gibt es eine Akte in der Schule, beim schul-psychologischen Dienst,
Protokolle der Klassenkonferenz usw.

Bevor die Medien „Mobbing-Opfer“ schreien, sollten sie diese Fragen sorgfältig klären.
Interessant wäre es sicherlich, die Klasse zu hören und zu erfahren, wie ausgegrenzt der Täter war und inwieweit das von anderen wahrgenommen wurde.

Nachtrag: 

Jetzt hat sich ein ehemaliger Freund zu Wort gemeldet.

Margit Ricarda Rolf
.– Mobbing-Zentrale –

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Über Ricarda

Margit Ricarda Rolf - Gründerin und Leiterin der Mobbing-Zentrale mit mehr als 11.000 erfolgreich beendeten Mobbingfällen.
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3 Kommentare zu Münchner Amoklauf – ein Mobbing-Fall?

  1. Gemobbter Müllmann aus SRH sagt:

    Hi Ricarda,

    sehr aktuell und ebenso bei uns möglich, denn wenn man wie vielleicht in diesen Fall jemanden über längere Zeit Mobbt oder Bosst, dann passiert wie auch hier unerwartet eine Reaktion eines Menschen der nichts aber auch gar nichts meint mehr im Leben verlieren zu können !

    Solche Dinge wie in diesen aktuellen Fall sind für mich als erstes Auslöser, das was im Elternhaus nicht stimmt, wo das Problem meist schon anfängt oder sogar bei den Erziehern wie Schule.

    Bei uns in der SRH sieht es aber ein bisschen anders aus, denn dort wird Mobbing und Bossing seitens des Arbeitgebers und Vorgesetzten ausgeführt, also im Berufsleben !
    Und dabei geht es um das existenzielle Leben jedes einzelnen Betroffenen gemobbten und gebossten !!!

    Die Mobber und Bosser aus der Vergangenheit werden jetzt in Gegenwart und Zukunft ihre Retourkutsche erleben und für das bezahlen was sie anderen angerichtet haben.

    So sicher wie sich manche dieser doch gefühlt haben, schalten und walten zu können wie es ihnen passte und dabei mit Menschen wie der letzte Dreck umzugehen, so schnell wird es ihnen bald selbst an den Kragen gehen 🙂

    LG an alle nicht (!) mobbenden Kollegen der SRH und anderen in ganz Deutschland

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